Baumpflege Bollmann Infobrief
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Schutz und Pflege historischer Alleen in Schleswig-Holstein

"Mit diesem Projekt wurden erstmals am Beispiel von sechs historischen Alleen baumbiologische, ökologische und denkmalpflegerische Methoden gleichermaßen angewandt, um den Wert und die Bedeutung solcher Alleen zu untersuchen, und aufbauend auf diesen Erkenntnissen Schutz- und Pflegemaßnahmen erarbeitet."

So beschreibt das Landesamt für Denkmalpflege ein Pilotprojekt zur Erhaltung alter Alleen an Wegen und Straßen in Schleswig-Holstein. Das große öffentliche Interesse am langfristigen Erhalt wertvollen Baumbestandes war Auslöser, ein Forschungsprojekt zu starten, das die Belange von Natur- und Denkmalschutz sowie von Baumpflege und Verkehrssicherheit gleichermaßen erfasst. An diesen sechs Alleen sollten modellhaft nach gründlichen Untersuchungen des Bestandes nachhaltige Strategien zur Alleenerhaltung entwickelt und ausgeführt werden. Ermöglicht wurde das Modellprojekt durch die Förderung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt.

Neben der Gewinnung vertiefter Erkenntnisse zur Geschichte von Alleen und deren Ökologie waren auch die Schaffung des öffentlichen Bewusstseins und das Aufzeigen von Lösungsmöglichkeiten im Umgang mit alten Alleen Ziele des Förderprojekts.

Bei den sechs ausgewählten Alleen handelte es sich um:
  • Platanenallee Kiel-Holtenau
    Die etwa 1,5 km lange, vermutlich nördlichste Platanenallee Europas verläuft entlang des Nordostseekanals in Holtenau. Die Straßenallee wirft vor allem Fragen in den Bereichen Kronenstatik (ehemalige Kandelaberkrone), Verkehrssicherheitsansprüche und eingeschränkte Standortbedingungen auf.
  • Pappelallee in Bliestorf
    Die älteste bekannte Pappelallee in Schleswig-Holstein ist von herausragender ökologischer Bedeutung nicht nur für die Wissenschaftler des Fachgebietes der Wirbellosen. Im Bereich der Allee wurden allein 42 Rote-Liste-Arten gezählt. Da die Baumart Pappel aufgrund Ihres weichen Holzes in der Regel nur eine mäßige Bruchsicherheit aufweist, bietet diese sehr alte Allee einzigartige Untersuchungsmöglichkeiten.
  • Kastanienallee Klethkamp
    Die Kastanienallee wurde um 1900 gepflanzt, sie führt freistehend durch die Feldflur zum Gut Klethkamp und besitzt daher im hohen Maß Biotopverbundcharakter. Ausschlaggebend für die Pflanzung der nicht einheimischen Rosskastanie scheint der Bau des Bahnhofes gewesen zu sein.
  • Eichendoppelallee in Gudow
    Die Eichenallee am Tiergarten des Gutes Gudow aus dem Jahre 1665 gilt als die älteste ihrer Art in Schleswig-Holstein. Sie hat die höchste ökologische Priorität und verspricht aufgrund ihres Alters die größte Dichte an seltenen Käfern und Wirbellosen.
  • Lindendoppelallee Ascheberg
    Die Lindendoppelallee führt vom Gutshaus zum See – sie wurde nach der Einstellung des künstlichen Formschnitts nicht mehr gekappt und weist daher Höhen von über 30 m aus. Aus ökologischer Sicht war ein besonderer Schwerpunkt die Entwicklung der Saumgesellschaften, der sog. Stinzenpflanzen.
  • Lindendoppelallee Farve
    Im Gegensatz zur Ascheberger Allee weisen die Linden in Farve mehrere Kappungsebenen auf. Die vergleichende Betrachtung der Alleen lässt für die Baumpflege Rückschlüsse auf die Folgen der früher verbreiteten Kappung zu.

Das Landesamt für Denkmalschutz kommt nach Abschluss und Auswertung der interdisziplinären Untersuchungen und der Baumpflegemaßnahmen zu dem Fazit, dass die Baumkontrolle, die Baumbegutachtung und die Baumpflege gemäß ZTV heute einen wissenschaftlich so hohen Stand erreicht haben, dass, wenn sie konsequent angewandt werden, fast alle historischen Alleen auch erhalten werden können. Hier gilt es „in Zukunft mit qualifizierten Baumpflegern weiter eng zusammenzuarbeiten“. Demnach sind die nach ZTV-Baumpflege empfohlenen Maßnahmen in der Regel auf lange Sicht ökonomischer als pragmatisch und emotional motivierte „Sofortmaßnahmen“, die den Verlust der alten Allee gutheißen zugunsten von Neuanpflanzungen, die aber oft keine Zukunft haben, weil die nachfolgenden Anwuchspflegemaßnahmen nicht gewährleistet sind.

Dem haben wir nichts hinzuzufügen.
Es war für uns ein spannendes Erlebnis, bei diesem Projekt dabei sein zu dürfen und drei der sechs ausgewählten Alleen baumpflegerisch zu begleiten.