Fachgerechter Umgang mit gefährdeten Bäumen
Menschen hatten zum Baum von alters her eine besonders innige Beziehung. Bot er ihnen doch Schutz vor der Witterung, lieferte Holz und Rinde zum Bauen und Heizen, auch Früchte, Harz und Säfte zum Überleben.
Darüber hinaus verehrten unsere Vorfahren den Baum oft als übernatürliches Wesen: das (scheinbare) Sterben im Herbst, die winterliche Totenstarre, die Wiederbelebung im Frühjahr waren für sie Ausdruck von Leben und Tod. Dahinter vermuteten die frühen Menschen mächtige Gottheiten, die erst mit der Christianisierung im frühen Mittelalter in Europa nach und nach ihren Einfluss verloren. Unter Bäumen wurde Gericht und Rat gehalten, in Linden und Kastanien wurde getanzt (auf Tanzplattformen), die Bibel nennt viele Stellen, wo göttliche Offenbarungen unter Bäumen stattfanden.
Heute wissen wir, dass Bäume für Mensch und Tier geradezu lebensnotwendig sind. Sie produzieren den Sauerstoff, den wir zum atmen brauchen und verbrauchen dabei Kohlendioxyd, das in zu großer Konzentration unser Weltklima gefährdet. Aber der Baum kann noch mehr: er mindert die hohen Temperaturen an heißen Sommertagen, filtert Staub und Gase aus der Luft, schützt uns gegen Lärm, Regen und stürmischen Wind. Und er erfreut Auge und Herz durch sein wohltuendes Grün, besonders wenn wir in der grauen Stadt wohnen.
Aber der Baum ist bedroht. Straßen werden verbreitert, neue Siedlungen gebaut, Fabriken erweitert, große Flächen betoniert. Dabei müssen täglich unzählige Bäumen weichen. Das Gravierendste ist die Luftverschmutzung (saurer Regen), die nach wie vor große Teile unserer Wälder absterben lässt.
Wenige Leute hatten diese gefährliche Entwicklung schon in den 50er und 60er Jahren erkannt, unter ihnen Gerd Bollmann, der vor beinahe einem Vierteljahrhundert seine Firma für Baumpflege in Ellerau gründete. Sie wird inzwischen erfolgreich von seinen Nachfolgern weitergeführt.
Moderne Baumpflege widmet sich dem besonders gefährdeten Straßen- und Stadtbaum, denn er leidet unter verdichtetem Boden, Grundwasser-Absenkung beim Bau, Luftabschluss der Wurzeln nach oben, Schadstoffbelastungen in Luft und Boden und Schäden an der empfindlichen Rinde und den Wurzeln.
Bevor Baumpflegemaßnahmen eingeleitet werden, wird eine genaue Baumdiagnose erstellt, die Angaben über die Vitalität, die Stand- und Bruchfestigkeit, Fehlentwicklungen in der Krone, Pilzbefall, Morschungen und Schäden an der Rinde enthält. Besonders schwierig ist die richtige Einschätzung von Faulstellen, da sie oft nicht sichtbar sind, aber beim nächsten Sturm zur tödlichen Bedrohung für den Menschen werden können, wenn der Baum umstürzt.
Daher sind Pflegemaßnahmen zur Verkehrssicherheit bei Straßenbäumen, wie wir sie viel im Landkreis Stade vorfinden, in erster Linie zu nennen. Kronenauslichtungen, Lichtraumprofile schneiden und Totholzentfernungen gehören hier zu den wichtigsten Arbeiten des Baumpflegers. Er ist besonders aus- und fortgebildet und haftet für seine Arbeit und die Verkehrssicherheit. Dabei ist manchmal nicht zu vermeiden, dass ein unheilbar kranker Baum gefällt werden muss, bevor größerer Schaden entsteht
Der Kronenschnitt gehört zu den klassischen Aufgaben des Baumfachmanns. Dabei ist nach neuen Erkenntnissen der Sommerschnitt dem Winterschnitt vorzuziehen, weil der Baum während der Vegetationsperiode eine eigene Wundabschottung bildet. Fällungen sollten allerdings aus Brutschutzgründen nur in der Zeit von Oktober bis März erfolgen. Das richtige Schneiden setzt gute Kenntnisse in den Schnittarten, aber auch in der Holzbiologie voraus. Ist die Krone bruchgefährdet, so greift der Fachmann zu Kronensicherungsmaßnahmen, wie Auffangsicherung, Kronenverankerungen oder besondere Stützen. Alle baumfremden Teile sollen möglichst verletzungsfrei für den Patienten eingebaut werden.
Oft leiden die Bäume in den Städten an schlechten Standortbedingungen, denn es fehlt ihnen an Sauerstoff, Wasser und Nährstoffen im Boden. Nach einer Bodenanalyse geht der Baumpfleger gezielt daran, das Umfeld zu verbessern. Das Hauptproblem ist häufig eine zu kleine Baumscheibe, die das Atmen der Wurzeln verhindert, d.h. die für den Stoffwechsel des Baumes erforderlichen Kleinlebewesen im Boden sterben ab und der Baum kann die vorhandenen Nährstoffe nicht nutzen. Eine weiträumige Entsiegelung rund um den Baum wirkt Wunder! In schwierigen Fällen hilft die Bodenverbesserung durch Bodenlockerung, Bodenaustausch oder Tiefen-Düngung. Mit speziellen Lanzen wird dabei das Erdreich aufgelockert und gleichzeitig eine Depotdüngung eingebracht.
Wenn Baustellen im Baumbereich eingerichtet werden, ist Gefahr im Verzug. Während Beschädigungen an Stamm und Krone offensichtlich sind und daher meistens vermieden werden können, werden die empfindlichen Wurzeln leider oft genug unsichtbar verletzt. Die Folgen offenbaren sich erst Jahre später. Die DIN 18920 schreibt z.B. Schutzzäune oder besonderen Stammschutz vor mit Bohlen und Polstermaterial, während die Wurzeln über den Kronenbereich hinaus abgedeckt werden müssen, um Bodenverdichtungen zu vermeiden. Bei Abgrabungen für Baugruben fertigt der Baumpfleger einen speziellen Wurzelvorhang. Auch Fäkalien, Öl und Chemikalien müssen unbedingt vom empfindlichen grünen Lebewesen ferngehalten werden.
Zu den erfreulichen Tätigkeiten des Baumpflegers gehört das Neupflanzen; naturgemäß erst recht dann, wenn vorher Bäume gefällt werden mussten. Dabei ist sorgfältige Planung gefragt, denn der Standort muss zum Baum passen, d.h. Platz- und Lichtbedarf sowie schädliche Umweltbedingungen müssen berücksichtigt werden. Nach der Pflanzung geht die Betreuung bzw. Bewässerung noch bis zu 3 Jahren weiter. Wird ein größerer Baum verpflanzt (Großbaumverpflanzung), ist die Pflege von ganz besonderer Bedeutung.
Die Krönung baumpflegerischer Tätigkeit ist die Erhaltung von sogenannten Baumdenkmalen, die oft bis zu 1000 Jahre alt sind. Hier wird das ganze Wissen und Können gefordert, um zu entscheiden, welche lebenserhaltenden Maßnahmen dem Baum helfen.
Die Baumpflege Bollmann GmbH betreut mit großem Engagement in ganz Norddeutschland viele dieser schützenwerten Bäume, auch im Landkreis Stade.
Getreu dem Motto: Baumschutz ist Umweltschutz.
Nachdruck mit freundlicher Genehmigung von Umwelt im Kreis - Das Magazin des Naturschutzamtes für den Landkreis Stade 2004